Mozart im Dom

Benefizkonzert zugunsten des Vereins
„Unser Stephansdom“

Conducted by Paul-Boris Kertsman

Saturday, 13. November 2021
20:30, Stephansdom, Vienna, Austria

Wolfgang Amadeus Mozart

Requiem

d-Moll, KV 626

Elena Sverdiolaitė, Sopran
Sladja Raicevic, Alt
Jakob Nistler, Tenor
Fabian Balkhausen, Bass

Unter der musikalischen Leitung von Paul-Boris Kertsmann musizieren die Solisten Elena Sverdiolaitė, Sopran, Sladja Raicevic, Alt, Jakob Nistler, Tenor, sowie Fabian Balkhausen, Bass mit dem TU-Orchester Wien, dem „d’accord wien“ und dem „Horizon Choir“.

Beginn ist um 20:30 Uhr – der Erlös kommt dem Verein „Unser Stephansdom“ zugute.

Günter Geyer, Obmann des Vereins „Unser Stephansdom“: „Ein riesiges Dankeschön an das TU-Orchester Wien. Die Sanierungsarbeiten am Dom setzen den Fokus in den nächsten Jahren auf die Renovierung der Nordgiebel. Mit der Unterstützung durch dieses Benefizkonzert sind wir hier einen großen Schritt weiter.“

Architekt DI Wolfgang Zehetner, Dombaumeister zu St. Stephan

Grußworte

Welche Fülle an Verbindungen: In der Gotik war in den Dombauhütten das technische Wissen ihrer Zeit konzentriert: Die „Silicon Valleys“ des Mittelalters. (Die Wiener Dombauhütte wurde 2020 von der UNESCO zum internationalen „Immateriellen Kulturerbe“ erklärt). Dass heute die TU Wien (Konzentration technischen Wissens unserer Zeit) für den Dom Mozarts Requiem aufführt ist wohl – wie der Stephansdom – eine weltweite Besonderheit!

Zu diesem Anlass möge man dem (vermutlich 43.) Dombaumeister zu St. Stephan auch Persönliches gestatten: Zu meiner Studienzeit hat Prof. Hiesmayr, damals Rektor der TU, mein Zweitstudium (Cello am Konservatorium) zum Anlass genommen, ein „Zehetner-Quartett“ zur Umrahmung besonderer Festakte an der TU zu initiieren.

Frau Gisela Kemmerling hat später diese Tradition ausbauen wollen und 1984 mit ihrem Mann, Rektor Prof. Walter Kemmerling, das TU Orchester gegründet.

Der Aufbau des Orchesters erfolgte unter dem ersten Dirigenten und Quartett Primus, meinem Bruder Helmut Zehetner (Wiener Philharmoniker).

Später übernahm mein Bruder Klaus Zehetner (Bauingenieur, TU), der mit der Flöte ebenso wie mein jüngster Bruder Franz (Kunsthistoriker) mit dem Kontrabass regelmäßig im TU Orchester spielte, die Obmannschaft des Orchesters.

Architekt Peter Ebenhöh, TU-Absolvent und selbst als Geiger im Orchester tätig, arbeitet seit über 20 Jahren mit mir im Architekturbüro auch am Dom und hat dieses Konzert angeregt.

Ich habe meine Frau bei einem Konzert des TU Orchesters kennengelernt und heute spielt unser Sohn (TU-Student im 3. Semester) auf dem Cello mit.

Vielen Dank von Seiten des Domes: Dem Verein „Unser Stephansdom“ als Veranstalter, der TU Wien und ihrem Orchester und Ihnen allen mit dem Wunsch für ein unvergessliches Erlebnis aus dem Zusammenspiel von Technik und religiöser, bildender und musikalischer Kunst!

Ihr Wolfgang Zehetner

Wolfgang Amadeus Mozart

Requiem

KV 626

Ein Requiem ist die Bezeichnung für eine musikalische Gattung, welche die katholische Messe für Verstorbene – das Seelenamt – musikalisch vertont. Dass gerade Mozarts letzte Komposition ein Requiem wurde, hat zum Entstehen vieler Mythen geführt, die auch in Hollywood aufgegriffen wurden. So soll angeblich einmal Antonio Salieri seinen Konkurrenten vergiftet, einmal ein Entsandter des Todes selbst die Komposition in Auftrag gegeben haben.

Tatsächlicher Auftraggeber des Requiems war aber Graf Franz von Walsegg, der die Komposition als seine eigene präsentieren wollte. Mozart erkrankte jedoch Ende November 1791 an einem Fieber, von dem er sich nicht mehr erholte und deshalb das in Auftrag gegebene Requiem nicht fertig stellen konnte. Er soll während der Komposition des Lacrimosa verstorben sein.

Nur den ersten Teil des Werkes, Requiem und Kyrie, konnte Mozart komplett selbst ausführen, bei allen anderen Teilen übernahm nach Mozarts Tod sein Schüler Franz Xaver Süßmayr die Instrumentation. Sanctus, Benedictus, Agnus Dei und der zweite Teil des Lacrimosa stammen gänzlich aus Süßmayrs Feder, wobei dieser sich als dessen Schüler und Assistent bereits mit Mozart über die Komposition aus­getauscht hatte. Constanze Mozart war nach dem Tod ihres Mannes daran interessiert, die vervollständigte Komposition an den Boten Walseggs zu übergeben, um die Anzahlung dafür nicht zurückzahlen zu müssen. Daher beauftragte sie erst vergeblich Joseph Ebler, dann Süßmayr, mit der Fertigstellung.

Fünf Tage nach Mozarts Tod wurden Teile des Requiems für ihn selbst in St. Michael uraufgeführt. Diese Seelenmesse hatte u. a. sein Freund Emanuel Schikaneder gestiftet, der mit ihm erst zwei Monate zuvor den großen Erfolg der Uraufführung der Zauberflöte verbuchen konnte.

Die Musik des Anfangs des Requiems wird, wie in der Gattung üblich, am Ende wieder aufgenommen. So gleicht Lux aeterna und Cum sanctus dem Requiem und Kyrie des ersten Teils. Der dunkle und ernste Charakter des Requiems wird durchwegs durch die Klänge von Posaunen und Bassett­hörnern erzeugt. Die Tonart d-Moll ist charakteristisch für Schwermut, Wehmut, Melancholie, Klage und Trauer. Auch die vielen chromatischen Linien zeigen laut der barocken Affektenlehre Schmerz und Leiden. Es finden sich prinzipiell einige barocke Elemente, wie etwa fugierte und polyphone Partien z. B. in der Doppelfuge des Kyrie und Domine Jesu Christe.

Wenn Mozart auch nur acht Takte des Lacrimosa fertig stellen konnte, so ist dies doch repräsentativ für das ganze Werk. Hier entsteht das Bild des aus dem Grabe – schwer mit Schuld beladen – zum jüngsten Gericht aufsteigenden Menschen. Vertont als eine d-Moll-Tonleiter, die aus der Tiefe nur mit Posaunen beginnt und dann in chromatischen Schritten weiter emporsteigt. Es ist gleichzeitig das letzte, das Mozart komponierte.

Mozart und der Stephansdom

Durch seinen frühen Tod verbrachte Mozart nur zehn Jahre in Wien. Er wechselte dabei über ein Dutzend Mal seinen Wohnort, lebte aber immer in der Nähe des Stephansdoms und war mit diesem auch fest verbunden. Am 4. August 1782 heiratete er in St. Stephan, seiner Wohnpfarre, Constanze Weber und ließ später auch zwei seiner Söhne hier taufen.

Wenige Monate vor Mozarts Tod, wahrscheinlich im April 1791, bewarb er sich beim Wiener Magistrat um die Verleihung der Kapellmeister-Adjunkt­stelle bei St. Stephan. Der damalige Domkapellmeister Leopold Hofmann war erkrankt und Mozart hoffte bei dessen Ableben seinen Posten übernehmen zu können. Da Hofmann wieder zu Kräften kam, wurde Mozart im Mai diese unentgeltliche Supplierstelle angeboten, allerdings mit der Versicherung, dass er das garantierte Nachfolgerecht des gut dotierten Amtes erhalten sollte. So wird angenommen, dass Mozart in den folgenden Monaten bis zu seinem Tod Hofmann oftmals als Dom­kapellmeister vertrat. Der Dommusik wurden damals hohe Summen zugestanden, da hier mehr als 40 Musiker tätig waren und der Domkapellmeister zusätzlich auch die Leitung der Sängerknaben übernahm.

Auch bei seinem Tod gehörte die Wohnung Mozarts zur Pfarre St. Stephan. Sein Name findet sich daher im Totenprotokoll und im Bahrleihbuch (ein Totengebührenbuch). Mozart wurde in der Kruzifixkapelle beim Abgang in die Katakomben aufgebahrt und später, in der Dunkelheit, mit einer Kutsche zum St. Marxer Friedhof überführt. Wie damals üblich wurde Mozarts Leichnam in einem Schachtgrab mit mehreren anderen bei­gesetzt. Das Aufstellen von Grabsteinen oder Kreuzen war untersagt, daher bleibt der genaue Ort unbekannt. Sein Ehrengrab ist auf dem Zentralfriedhof zu finden.

Vergleiche: „Der Stephansdom zur Zeit Mozarts – Geschichte und G’schichterln“ von Reinhard H. Gruber

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Plakat 1.66 MB Programmheft 319.31 KB