Winter Concerts

Conducted by Paul-Boris Kertsman

Tuesday, 17. December 2019
19:30, Kuppelsaal, TU Wien, Vienna, Austria

Wednesday, 18. December 2019
19:30, Kuppelsaal, TU Wien, Vienna, Austria

Felix Mendelssohn Bartholdy

Calm Sea and Prosperous Voyage

D major, Op. 27

Miguel Kertsman

Amazonia

Symphonic Poem

Pyotr Ilyich Tchaikovsky

Symphony No. 1

G minor, Winter Dreams, Op. 13

Felix Mendelssohn Bartholdy

Meeresstille und glückliche Fahrt

Konzert-Ouvertüre D-Dur, op. 27

Johann Wolfgang von Goethe

Meeresstille
Tiefe Stille herrscht im Wasser,
Ohne Regung ruht das Meer,
Und bekümmert sieht der Schiffer
Glatte Fläche ringsumher.
Keine Luft von keiner Seite!
Todesstille fürchterlich!
In der ungeheuern Weite
Reget keine Welle sich.

Glückliche Fahrt
Die Nebel zerreißen,
Der Himmel ist helle,
Und Äolus löset
Das ängstliche Band.
Es säuseln die Winde,
Es rührt sich der Schiffer.
Geschwinde! Geschwinde!
Es teilt sich die Welle,
Es naht sich die Ferne;
Schon seh ich das Land!

Zum Auftakt unseres Konzertes nehmen wir Sie mit auf eine Schiffsreise mit Mendelssohns Konzert-Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“.

Mendelssohn hatte das Glück in Verhältnissen aufzuwachsen, die es ihm ermöglichten sein Talent rasch zu entfalten. Zeitlebens blieben ihm wirtschaftliche Sorgen erspart, denn sein Vater hatte die Mittel dem jungen Studiosus eine umfassende Ausbildung und sogar ein eigenes Orchester zu Übungszwecken zur Verfügung zu stellen. Mendelssohn beherrschte vier Fremdsprachen und war in Philosophie, Geschichte und Literatur hoch­gebildet. Im Rahmen dieser Erziehung wurde er 1821, als Zwölfjähriger, Johann Wolfgang von Goethe vorgestellt, der den Knaben als wohlwollender Freund fördern sollte. Goethes Gedichtpaar „Meeres­stille“ und „Glückliche Fahrt“ inspirierten dann 1832 Mendelssohn, wie 1814 auch schon Beethoven, zu seiner Konzert-Ouvertüre.

Während liegende Streicherakkorde zu Beginn der Ouvertüre die regungslose Stille des Wassers suggerieren, kündigt sich mit Flötentriolen eine
sanfte Brise an. Das Wellenmotiv in den Streichern leitet die nun folgende „glücklichen Fahrt“ ein, Trompentenfanfaren verkünden schließlich die glückliche Ankunft des Schiffes. Aufführungsstatistiken bezeugen, dass mit 39 Aufführungen allein im Leipziger Gewandhaus, dessen Musikalischer Leiter Mendelssohn war, „Meeresstille und glückliche Fahrt“ im 19. Jahr­hundert Mendelssohns wohl beliebteste Ouvertüre war. Erst mit dem Jahrhundertwechsel büßte sie zugunsten der „Hebriden-Ouvertüre“ an Popularität ein.

Svenja Ingensand

Miguel Kertsman

Amazonia

Sinfonische Dichtung

Nachdem wir Sie nun über den Atlantik geführt haben, landen wir mit unserem zweiten Stück im Regenwald Südamerikas …

Miguel Kertsman wurde 1965 in Brasilien geboren, er ist Komponist, Musiker und Musikproduzent. 1986 graduierte er in den USA am Berklee College of Music in Boston und studierte auch am Boston Conservatory, sowie an der Juilliard School in New York. Seine Kompositionen umfassen klassische Orchesterwerke, Kammermusik, Vokalmusik bis hin zu Jazz, Pop, Filmmusik und Musik für interaktive Medien. Er wurde von Künstlern wie Angelika Kirchschlager, John Williams, Dennis Russell Davies, dem London Philharmonic Orchestra u.a. aufgeführt und von mehreren großen Labels aufgenommen und verlegt. Darüber hinaus ist er als Produzent und Consultant tätig und unterrichtet an amerikanischen und europäischen Universitäten.

Bei „Amazonia“ handelt es sich um ein Frühwerk, das Kertsman unter dem Eindruck seiner Heimat Brasilien, in einer Phase der Unsicherheit seine berufliche Zukunft betreffend, verfasste. Es ist keine Programmmusik, die bestimmte Orte oder Ereignisse abbildet, sondern soll vielmehr die Eindrücke und Gefühle widerspiegeln, die der Mensch im und mit dem Amazonas-Regenwald haben kann: Ein „sich verlieren“ in seiner immensen Dimension, einer ganzen eigenen Welt. Amazonia ist die „music of over­whelming colossal areas“, die die geheimnisvollen Geräusche der Täler und Hügel, die mitreißenden Rhythmen der Einwohner, Stürme, Ekstase wie auch inneren Frieden, beschreibt. Der Hörer ist eingeladen seine eigenen Gedanken und Empfindungen zu entwickeln beim Gesang der Vögel und dem Geräusch des großen Flusses, der durch das Werk wie auch den Wald fließt, mäandert und sich entwickelt. Ein großes Fest der Natur.

Der Regenwald ist die Lunge der Welt, die unsere Luft reinigt und mit Sauerstoff anreichert, der große Fluss mit seinen vielen Seitenarmen bietet zugleich einen einzigartigen Lebensraum für Leben im Wasser. Der Reichtum an Bodenschätzen, Flora und Fauna erstaunt noch immer die Wissenschaft. Als Teil der wundervollen Natur gibt es auch einen wichtigen menschlichen Faktor mit einer Vielzahl an Gesellschaften und Kulturen die hier nebeneinander existieren mit all ihren Legenden, Geschichten, Kunst, Folklore, Ritualen, Magie und Mystik. Der Amazonas ist eine noch immer unentdeckte Welt für sich, die womöglich noch manche Antwort für aktuelle Fragen bereit hält. Leider gibt es auch eine bedrohliche Seite des menschlichen Einflusses im Amazonas, nicht nur für seine Bewohner, sondern für uns alle. Den Wald zu erkunden und Fortschritt zu bringen sind zwar wichtige und notwendige Unternehmen, aber leider nicht in der Art und Weise wie das momentan geschieht. Die Frage, ob es unser Schicksal ist, Zeugen und Verursacher der Zerstörung unseres Planeten zu werden, oder ob Vernunft und Achtsamkeit die Oberhand gewinnen, wird im Musikstück offen gelassen. Beide Seiten kämpfen um die Vorherrschaft, wie zum Schluss des Stückes im Ringen von Streichern und Bläsern deutlich wird, die Glocken schlagen, noch ist Hoffnung und wir dürfen den Glauben an eine Lösung für dieses Geschenk an die Menschheit nicht verlieren. Andererseits weiß nicht ein jeder, wie man mit Geschenken umzugehen hat.

Svenja Ingensand

Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Winterträume

Sinfonie Nr. 1 g-Moll, op. 13

Die erste Fassung seiner ersten Sinfonie in g-Moll schrieb Pjotr Iljitsch Tschaikowski mit nur 26 Jahren. Da ihn seine Eltern zu einer Beamten­laufbahn gezwungen hatten, kam er überhaupt erst mit 22 Jahren zur Musik, nämlich an das Konservatorium in St. Petersburg zu Anton Rubinstein. Als er nach drei Jahren von dessen Bruder Nikolai Rubinstein nach Moskau geholt wurde, um dort am Konservatorium zu unterrichten, begann er mit der Komposition seiner ersten Sinfonie. Anton Rubinstein war streng und ließ Tschaikowski die Sinfonie umschreiben, sein Bruder Nikolai aber führte den 2. und 3. Satz im Februar 1867 auf. Erst im darauffolgenden Jahr kam es zur Uraufführung des vollständigen Werks. Trotz der Begeisterung des Publikums, überarbeitete Tschaikowski die Sinfonie 1874 abermals. Die Unterstützung Tschaikowskis durch die Mäzenin Nadesha von Meck begann erst im Jahr 1878, vorher war der schüchterne, menschenscheue und sensible Künstler immer wieder von Depressionen geplagt. Er litt unter der Geheimhaltung seiner Homo­sexualität, verübte nach wenigen Wochen einer Scheinehe sogar einen Selbstmordversuch, und wollte sich dann mit Reisen und Arbeit bis zur totalen Erschöpfung ablenken.

Die Sinfonie mit dem Titel „Winterträume“ führt den Hörer durch verschiedene winterliche, russische Landschaften. Der erste Satz, das Allegro tranquillo, trägt den Untertitel „Träume von einer Winterreise“. Hier mag man sich vorstellen mit einer Troika durch die Weite einer verschneiten Winterlandschaft zu gleiten. Ohne Einleitung beginnt der Satz direkt mit der Exposition mit dem Hauptthema in Flöte und Fagott, das Seitenthema erklingt durch die Klarinette, das dritte strahlende Thema im Blech schließt die Exposition ab. Nach Durchführung und Reprise rundet eine kurze Coda den Satz ab.

Das Adagio cantabile ma non tanto des zweiten Satzes beschreibt durch eine Klage der Oboe und ein sanftes, melancholisches Thema der Streicher, das den Satz umrahmt, die schwermütige Weite des düsteren, öden und nebligen Landes, nachdem dieser Satz benannt wurde.

Das anmutig vorbeihuschende Allegro scherzando giocoso im dritten Satz geht in Tschaikowskis ersten Orchesterwalzer über. Zwei Tutti-Schläge beenden diesen schönen und lustigen Traum.

Im fulminanten Finale der Sinfonie (Andante lugubre – Allegro moderato – Allegro maestoso) ist das russische Volkslied „Blumen blühen“ zu hören. Aus dem düsteren Anfang entwickelt sich ein rasanter Tanz, der im Wirbel eines russischen Volksfestes endet.

Aileen Ritter-Prieler

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