Sommerkonzerte 2019

Unter der Leitung von Paul-Boris Kertsman

Dienstag, 18. Juni 2019
19:30, Kuppelsaal, TU Wien

Mittwoch, 19. Juni 2019
19:30, Kuppelsaal, TU Wien

Johann Strauss (Sohn)

Die Fledermaus

Ouvertüre

Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 29

A-Dur, KV 201

Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 8

G-Dur, op. 88

Kartenpreise

Normalpreis: 18 €, Förderer & Absolventenverband: 15 €, Studenten: 12 €

Reservierung per Einzahlung auf AT66 1100 0096 4448 0700 bis 10.6.2019 mit Angabe von Einzahler, Konzerttag, Kartenanzahl & Kategorie (18/15/12)

Galerie

Sommerkonzerte 2019

Johann Strauss

Fledermaus

Ouvertüre

Seit der Uraufführung im Jahr 1874 zählt Johann Strauss’ (Sohn) Fledermaus zu den Höhepunkten der Operettenära. Lug und Trug, Verkleidungen, Verwechselungen, Liebeleien und Schmäh machen die „komische Oper“ immer wieder zu einem Vergnügen.

Beim Hören der Ouvertüre gewinnt man den Eindruck eines Potpourris vieler Themen der Operette, obwohl sie eigentlich in freier Sonatenhauptsatzform komponiert wurde.

Die Ouvertüre beginnt in einer Einleitung mit dem chromatischen Kopf­motiv, das Teil des Eisenstein-Themas ist. Dieses Thema hört man erst in der vorletzten Szene der Operette, als Eisenstein, die Verkleidung als Notar aufgegeben, spricht: „Ja, ich bin’s, den ihr betrogen, ja, ich bin’s, den ihr belogen“. Somit wird hier auch auf den Inhalt der Operette hingewiesen: die Rache der Fledermaus an Gabriel von Eisenstein.

Nach einem Anklang des ersten Auftritts der Adele – als diese den vermeintlichen Brief ihrer Schwester Ida mit der Einladung in das Palais des Prinzen Orlowsky erhält – hören wir sechs Glockenschläge, die zum Finale des 2. Aktes erklingen, als sich sowohl Eisenstein als auch der Gefängnisdirektor nach durchzechter Nacht auf den Weg ins Gefängnis machen müssen.

Anschließend erklingt das Thema Eisensteins aus der vorletzten Szene der Operette, als er als Notar verkleidet seine Frau Rosalinde und Alfred mit den Worten: „Ich bitt, mir alles zu gestehen und nichts zu übergehen“ befragt.

Jetzt beginnt die Exposition der Ouvertüre mit dem „Hauptthema der Fledermaus“, das erst bei der Auflösung des Schwindels am Ende der Operette erklingt:

Eisenstein: „So erklärt mir doch, ich bitt!“
Falke: „Alles was Dir Sorgen macht, war ein Scherz von mir erdacht“.
Adele, Orlowsky, Alfred, Frank mit dem Chor: „Und wir alle spielten mit“.

Endlich spielt nun ein Walzer, der gleichzeitig das Seitenthema der Ouvertüre und eines der berühmtesten Themen der Operette ist. Er wird im 2. Akt von Prinz Orlowsky gesungen, der seine Gäste zum Tanzen auffordert. Anschließend geht die Passage in ein zweites Walzerthema über, als die Gäste des Prinzen singen: „Ha, welch ein Fest, welche Nacht voll Freud! Liebe und Wein gibt uns Seligkeit; ging’s durch das Leben so flott wie heut, wär jede Stunde der Lust geweiht!“

Die Schlussgruppe der Exposition verbindet mehrere Themen des 1. Aktes miteinander: das Rosalinden-Thema, das erklingt, als sie Abschied von ihrem Mann nimmt („So muss allein ich bleiben, acht Tage ohne dich! Wie soll ich dir beschreiben mein Leid so fürchterlich!“, sowie „Ich werde dein gedenken des Morgens beim Kaffee, wenn ich dir ein will schenken, die leere Tasse seh.“) und das Cancan-Thema, das Rosalinde, Adele und Gabriel gemeinsam singen: „O je, o je, wie rührt mich dies, o je, o je, wie rührt mich dies.“

Die Durchführung ist kurz gehalten und verwendet Thema und Motive
des Gabriel von Eisenstein, während die Reprise nach den Regeln der Sonatenhauptsatzform die Themen der Exposition in selbiger Reihenfolge verwendet.

Zuletzt hören wir in der Coda noch einmal „O je, o je, wie rührt mich dies, o je, o je, wie rührt mich dies.“, während das Eisenstein-Motiv nach Anfang und Mitte der Ouvertüre auch ihren Abschluss bildet.

Aileen Ritter-Prieler

Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 29

A-Dur, KV 201

Die Sinfonie A-Dur, KV 201, entstand dem Schriftbild des Autografen nach zu urteilen in größter Eile und wurde „il 6 d’aprile 1774 a Salisburgo“ vollendet. Sie wird mit den Sinfonien C-Dur, KV 200, und D-Dur, KV 202, der letzten Gruppe der sogenannten Jugendsinfonien Mozarts zugeordnet. Im Dunstkreis eines längeren Wien-Aufenthaltes (im Sommer 1773) entstanden, stellt sie mit einer Handvoll weiterer Sinfonien wohl eine kompositorische Verarbeitung der prägenden Eindrücke durch die in Wien gehörten Werke Joseph Haydns dar. Zu einem bestimmten Entstehungs­anlass oder einem Auftrag für diese Sinfonien liegen jedenfalls keine Erkenntnisse vor. Ebenso wenig darüber, ob die Sinfonie KV 201 tatsächlich unmittelbar nach ihrer Entstehung zur Uraufführung gelangt ist. Vermutlich jedoch nicht, schickte doch Mozart das Werk 1783 zusammen mit zwei der insgesamt sechs 1773 vorgelegten Jugendsinfonien nach Wien zur Aufführung bei einer Akademie (Konzert). Da es zu jener Zeit äußerst unüblich war, nicht mehr ganz „frische“ Werke zu präsentieren, machte Mozart die Datierungen auf den Autografen unleserlich. Erst viel später entzifferte man diese zerkratzten und übermalten Stellen. Bemerkenswert ist aber, dass Mozart auch im Zenit seiner kompositorischen Meisterschaft nochmals auf dieses Werk zurückgriff, es also immer noch als gelungen und aufführungswert befand.

Diese heute Abend zur Aufführung gelangende A-Dur-Sinfonie weist mit je zwei Oboen und Hörnern samt Streichern eine schlichte konventionelle Orchester­besetzung auf. Die aus der italienischen Sinfonietradition hervorgegangenen bis dahin üblich gewesenen drei Sinfoniesätze der Frühklassik und des galanten Stils etwa Johann Christian Bachs gab Mozart hier zugunsten der Viersätzigkeit im Stil der Wiener Klassik auf. An dritter Stelle ist nun ein kurzes Menuett samt Trio zwischengeschoben, wodurch dem flotten letzten Satz mehr Bedeutung im Sinne eines Finales zukommt. Wenn auch keine wirkliche zyklische Verklammerung aller vier Sätze vor­liegt, so sind doch zumindest Kopf- und Finalsatz und die inneren beiden miteinander verknüpft: der erste Satz (Allegro moderato) und der vierte (Allegro con spirito) durch einen charakteristischen Oktavsprung des Hauptthemas, der melodiöse, zarte zweite, in D-Dur stehende Satz (Andante) und das verspielt-strenge Menuett in verschiedener Ausprägung durch punktierte Rhythmen.

Bemerkenswerterweise sind hier außer dem Menuett alle Sätze in der Sonaten­hauptsatz­form angelegt, also mit je zwei kontrastierenden Themengebilden, einer das thematische Material verarbeitenden Durch­führung und einer Reprise des jeweiligen Hauptsatzes ausgestattet. Selbst im zweiten Abschnitt des Menuetts werden durchführungsartig entferntere harmonische Gefilde aufgesucht.

Obwohl Mozart diese Sinfonie bereits im Alter von 18 Jahren komponierte, bilden etwa die fließende Thematik des ersten Satzes, die eingängige Motivik der Geigen im Menuett sowie das schon treffend als „Rakete“ bezeichnete Oktavkopfmotiv des kraftvoll-ungestümen Finales einige der „einprägsamsten Einfälle des Sinfonikers Mozart“. Zudem führten ihr verhältnismäßig großer Umfang, die konsequente Umsetzung der Sonatenhauptsatzform in drei Sätzen (jeweils mit zusätzlicher Coda), die umfangreiche, insbesondere das einprägsame Kopfmotiv verarbeitende Durchführung des vierten Satzes und die teilweise kontrapunktische Verzahnung bereits im Hauptthema des ersten Satzes mehrfach dazu, diese Sinfonie als einen ersten Höhepunkt im sinfonischen Schaffen Mozarts zu bezeichnen.

Viola Lutgen

Antonín Dvořák

Sinfonie Nr. 8

G-Dur, op. 88

Dvořák schrieb die 8. Sinfonie anlässlich seiner, wie er auf dem Titelblatt der Partitur vermerkte, „Aufnahme in die Böhmische Kaiser-Franz-Joseph-Akademie für Wissenschaft, Literatur und Kunst“.

Zur düsteren Stimmung der 7. Sinfonie Dvořáks bildet die 8. Sinfonie einen gelösten, lyrischen Kontrast. Bei der Komposition, mit der sich Dvořák zum Ziel setzte, „ein von meinen anderen Sinfonien verschiedenes Werk zu schreiben, mit individuellen, in neuer Weise ausgearbeiteten Gedanken“, ließ Dvořák sich von der Landschaft bei Vysoká u Příbramě, seinem Sommersitz, inspirieren.

Der erste Satz wird von einem choralartigen g-moll-Thema in Violoncello, Klarinette und Fagott eingeleitet, das im Verlauf des Satzes noch weitere Male jeweils zu Beginn von Exposition, Durchführung und Reprise wiederholt wird. Das eigentliche Haupt­thema steht in G-Dur und wird von der Flöte vorgetragen. Nach einer Steigerung des Themas durch das Orchester folgt das Seitenthema. Vor der Durchführung wird das g-moll-Thema wiederholt, welches vor der Reprise in der Trompete erklingt. Am Anfang der Reprise erklingt wieder das G-Dur-Thema in den Holzbläsern und endet in Moll.

Der zweite Satz ist ein rhapsodieartiges Adagio in c-moll und 2/4-Takt und von Pjotr Iljitsch Tschaikowski beeinflusst, mit dem sich Dvořák kurz vorher befreundet hatte. Er beginnt melancholisch, wird aber von einer einem Vogelruf ähnlichen Quarte in der Flöte fortgesetzt. Die Fortführung des melancholischen Anfangs in der tiefen Klarinette wechselt sich im weiteren Verlauf mit der Quarte ab. Im Mittelteil des Satzes folgt ein weit ausholendes C-Dur-Thema, das von der Solovioline aufgegriffen wird. Der Satz ist von einem Nebeneinander von Hell und Dunkel geprägt; die zahlreichen Pausen ermöglichen ein Innehalten.

Der dritte Satz beginnt mit einem walzerartigen G-Dur-Trio in Flöten und Oboen. In der Wiederholung erklingt es in Oboe und Fagott; während es hier in ungeradem Takt steht, erklingt es in der Coda im geraden Takt. Der walzerartige Stil dieses Satzes ist möglicherweise ein Ausdruck der Verehrung an Tschaikowski.

Der vierte Satz steht in G-Dur; in ihm wird die Sonatensatzform mit Variationen kombiniert. Eingeleitet wird er von Trompeten in D. Nach der dritten Variation des zweiteiligen Hauptthemas, die allein in der Flöte erklingt, wird die zweite Variation wiederholt; danach folgt das Seiten­thema.

Bei der Uraufführung am 2. Februar 1890 in Prag dirigierte Dvořák das Orchester des Tschechischen Nationaltheaters im Rahmen des „13. Populären Konzert der Künstlerressource“.

Weitere Aufführungen durch Dvořák fanden am 7. November 1890 in einem Museums­konzert in Frankfurt am Main statt sowie im folgenden Jahr im englischen Cambridge am Vorabend seiner Promotion.

Während Dvořáks sechster Englandreise wurde die Sinfonie mehrmals von der Royal Philharmonic Society aufgeführt.

Hans Richter brachte die Sinfonie in Wien und London zur Uraufführung und schrieb nach der Wiener Aufführung an Dvořák: „An dieser Aufführung hätten Sie gewiß Freude gehabt. Wir alle haben gefühlt, daß es sich um ein herrliches Werk handelt: darum waren wir alle auch mit Enthusiasmus dabei. […] Der Beifall war warm und herzlich“.

Dvořák ließ das Werk vom Londoner Verleger Vincent Novello veröffentlichen und nicht bei seinem Stammverleger Fritz Simrock, da er mit diesem gerade zerstritten war. Dieser Umstand führte, neben dem Erfolg der Sinfonie in England, zu deren Beinamen „Die Englische“.

Viola Lutgen

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